Konzentrationslager-KZ Spaichingen

Von September 1944 bis April 1945, also knapp 8 Monate lang bestand in Spaichingen ein Konzentrationslager. Das Gelände ist heute mit Teilen des Marktplatzes, desbusbahnhofs und des Rathausparkplatzes überbaut. Es wurde angelegt, um in der Lehmgrube für die Mauser-Werke ein Fabrikgebäude zu erstellen. Das Lager war eines der zahlreichen Außenlager des KZs Natzweiler-Struthof im Elsass. Das KZ Natzweiler-Struthof wurde nach Landung der Alliierten in der Normandie Anfang September 1944 aufgelöst und die Häftlinge nach Dachau und auf verschiedene Außenlager, unter anderem auf Spaichingen verteilt. Die Häftlinge kamen aber auch aus anderen KZs, so auch aus Ausschwitz und aus Buchenwald und dem Lager Bisingen als diese aufgelöst wurde. Es waren Häftlinge aus ganz Europa, viele kamen aus Ungarn, Jugoslawien und Polen, Italien und Luxemburg. Neben den Häftlingen, die aus den verschiedensten Gründen gefangen waren (darunter viele politische Gefangene), befanden sich auch Straftäter. Diese wurden von den SS-Aufsehern teilweise als Aufsichtspersonal eingesetzt. Das Lager Spaichingen galt als besonders brutal. Es starben auf Grund von schlechter Versorgung, Misshandlung und Mord rund 100 der ungefähr 400 Gefangenen. Sie mussten täglich den Fußmarsch zur Lehmgrube, die harte Arbeit auf der Baustelle und den Weg zurück ins Lager bewältigen – alles trotz Hunger, Kälte, Schmerzen, Erschöpfung und Demütigungen durch die Wachmannschaft. Als Mitte April 1944 die alliierten Truppen näher kamen, wurden auch die Außenstellen von Natzweiler-Struthof aufgelöst. Viele Gefangene wurden nach Dachau transportiert. Andere – darunter die Spaichinger Häftlinge – wurden in langen Zügen gezwungen, zu Fuß in Richtung der Allgäuer Alpen zu marschieren. Auch hier kamen viele der erschöpften Häftlinge um. Manchen gelang auch die Flucht. Andere, die den Fußmarsch durchhielten, wurden in der Gegend von Füssen von amerikanischen Truppen befreit. In Spaichingen erinnert das KZ-Ehrenmal am Massengrab hinter dem Friedhof an die Opfer der Gewalt. Seit 1963 steht dort als Mahnmal eine von dem Tuttlinger Bildhauer Roland Martin geschaffene Skulptur. Auf dem Marktplatz erinnern verschiedene Gedenkplatten an das ehemalige KZ (vor dem Friseurgeschäft Stile Grazia, in der Nähe des Martin-Luther-Hauses, auf der Insel vor dem Busbahnhof), 10 weitere Stolpersteine vom Marktplatz Richtung Lehmgrube erinnern an die mutigen Spaichinger, die sich selbst in Gefahr brachten, um den Gefangenen etwas Brot und Obst zuzustecken: „Noch einmal und du gehst mit“. Vor der Fa. Hogri erinnert ein Gedenkstein an die Mauser-Baustelle in der Lehmgrube. (Beitrag von Jochen Kastilan in der Spaichinger Stadtchronik 1991, Beitrag von Dr. Andreas Zekorn im Heimatbrief 2016, Gedenkstättenrundschau Ausgabe 14/ März 2015.)

2018-07-30T16:50:37+00:00